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Estándar

„ Wir trauern um …“

„ Wir trauern um …“

Sprache ist kein festes Konstrukt. Sie ist ständig im Wandel begriffen, passt sich an neue Gegebenheiten und Entwicklungen an.

Besonders anschaulich zeigt dies der Duden, der regelmäßig aktualisiert und neu aufgelegt wird. Die letzte Aktualisierung wurde 2013 durchgeführt und damit nicht nur eine Vielzahl neuer Wörter offiziell in das Standardwerk der deutschen Sprache aufgenommen, sondern gleichzeitig auch einige als veraltet geltende Kleinode gestrichen.

So wurden in der 26. Auflage einerseits ca. 5000 neue Wörter aufgenommen – darunter viele Anglizismen wie „Shitstorm“ oder „Flashmob“ – andererseits wurde sich auch von 31 Wörtern verabschiedet.

Schade, wenn solch einzigartige Begriffe wie „Mistigkeit“, was eine „mistige Art, Beschaffenheit“ beschreibt, oder „beziehentlich“ als Synonym zu „bezüglich“ mit dem Stempelaufdruck „antiquiert“ der modernen Sprache weichen müssen. Auch der magische „Schnatz“ aus der Harry Potter-Welt konnte sich keinen dauerhaften Platz im Duden sichern. Doch nicht nur das. Beim Blick auf die Liste der gestrichenen Wörter fällt es schwer, nicht zu schmunzeln oder etwas fragend dreinzuschauen. Oder hätten Sie gewusst, dass ein „Telekrat“ ein „Machthaber, der sich auf seinen Einfluss über die Telekommunikationsmedien stützt“, ist? Dass Sie mit einer „Adrema“-Adressiermaschine Schreiben „antedatieren“ können? Oder dass ein „Buschklepper“, ein „sich in Gebüschen versteckt haltender Dieb“, nach seinem Raubzug „münzmäßig“ gut ausgestattet ist?

Es lohnt sich also nicht nur, einen Blick auf die zahlreich neu hinzugekommenen Wörter zu werfen; auch die laut Duden-Redaktion nicht mehr gebräuchlichen Ausdrücke geben Aufschluss über die Veränderung des Deutschen. In der Online-Version des Duden sind sie übrigens weiterhin zu finden – und damit doch noch nicht vollständig begraben.

 

Liebe Grüße

Hilke Effinghausen

Estándar

„Teil 2: Komma oder nicht Komma, das ist hier die Frage!“

„Teil 2: Komma oder nicht Komma, das ist hier die Frage!“

Auch in diesem Newsletter tauchen wir tief in die Geheimnisse der deutschen Kommasetzung ein.

Beginnen wir zum Aufwärmen jedoch mit etwas Einfachem: Gleichrangige Konjunktionen wie „sowohl … als auch“ und „weder … noch“ erfordern kein Komma, da sie, genau wie „und“ und „oder“ Hauptsätze verbinden. Nur bei entgegengesetzten Konjunktionen wie „aber“, „jedoch“ und „sondern“ fordert Herr Duden ein Komma. Gleiches gilt für anreihende Konjunktionen wie „einerseits … andererseits“ und „je … desto“.

Ein weiteres Mysterium bildet die Kommasetzung nach wörtlicher Rede: Auch wenn es verlockend ist, das Komma vor das Anführungszeichen zu setzen, da es ja den Teilsatz beendet, gehört es dennoch HINTER das Anführungszeichen.

„Ich habe Hunger,“ sagte Gustav.

„Ich habe Hunger“, sagte Gustav.

Fühlen Sie sich langsam wie ein Hochleistungskommasetzer? Dann können wir uns nun mit einer der kompliziertesten Kommafragen beschäftigen: Wann werden Kommata bei „z. B.“ und „wie“ gesetzt?

Mit „z. B.“ werden Satzteile näher erläutert. Da diese Informationen nicht essenziell für das Verständnis des Satzes sind, müssen sie durch ein Komma getrennt werden.

Bei „wie“ wird die Lage undurchsichtiger: Auch hier gilt, dass Informationen, die für das Verständnis des Satzes erforderlich sind, nicht in Kommata gesetzt werden dürfen. Allerdings sind Sie Herr und Meister der Kommasetzung und Ihnen steht laut Duden frei, inwiefern die Information im Satz erforderlich ist:

Säugetiere(,) wie Hunde und Katzen(,) atmen einmal alle vier Herzschläge.

Lassen Sie sich jedoch nicht austricksen! Dieses optionale Komma gilt nur, wenn „wie“ zur nachgestellten Erläuterung verwendet wird. Bei Vergleichen wird KEIN Komma gesetzt:

Er ist schon so groß, wie sein Bruder.

Er ist schon so groß wie sein Bruder.

 

Liebe Grüße

Julia Buller

Estándar

„Komma oder nicht Komma, das ist hier die Frage!“

„Komma oder nicht Komma, das ist hier die Frage!“

Die Tücken der deutschen Grammatik machen auch nicht vor der Kommasetzung halt. Mein Lieblingstipp bei Fragen dazu ist: Wenn zwei finite Verben nicht durch ein und oder ein oder verbunden sind, setzen wir ein Komma.

Die deutsche Grammatik würde ihrem Ruf aber nicht gerecht werden, wenn es nicht die ein oder andere Ausnahme gäbe.

So wird bei technischen Anweisungen gerne auch vor und ein Komma verwendet:

Setzen Sie die Schrauben ein, und ziehen Sie sie fest.

Auch die Kommasetzung zwischen Adjektiven macht vielen das Leben schwer. Wann genau gehört denn nun ein Komma zwischen Adjektive? Dies ist eine Frage der Gleichrangigkeit:

Ein neues verbessertes IT-System

vs.

Ein neues, verbessertes IT-System

Des Rätsels Lösung ist ein und: Macht ein und zwischen zwei Adjektiven Sinn, dann sind sie gleichrangig. In unserem Beispiel wäre also Option 2 die richtige.

Mit diesen beiden Härtefällen ist es aber noch lange nicht getan. Weitere Tipps erhalten Sie im zweiten Teil von „Komma oder nicht Komma, das ist hier die Frage!“ im nächsten Monat.

 

Liebe Grüße

Julia Buller

Estándar

„Vergiss die Uhr, entdecke die Zeit“

„Vergiss die Uhr, entdecke die Zeit“

Walter Ludin (*1945)

Ein Wort, das ich in Übersetzungen und anderen Texten ganz besonders oft falsch geschrieben sehe, ist „zurzeit“. Dieses banale Wörtchen, um das sich kaum jemand Gedanken macht, hat jedoch seine Tücken. Denn möchte man damit ausdrücken, dass etwas gerade in diesem Augenblick geschieht, ist nur die Schreibweise „zurzeit“ und nicht „zur Zeit“ erlaubt.

Renate ist zurzeit arbeitslos.

Die Klasse liest zurzeit mehrere Bücher.

Möchte man jedoch ausdrücken, dass etwas in einer bestimmte Epoche passiert ist, dann schreibt man „zur Zeit“.

Die Merseburger Zaubersprüche entstanden zur Zeit des Karls des Großen.

Als Faustregel gilt, dass es „zurzeit“ heißen muss und die Schreibweise „zur Zeit“ falsch ist, wenn die Wendung durch „derzeit“ ersetzt werden kann.

Während zur Zeit des Kaisers Augustus also nur etwa eine Million Menschen in Rom lebten, wohnen dort zurzeit etwa 2,7 Millionen Menschen.

 

Liebe Grüße

Alexandra Villeminey

Estándar

„Wird der Genitiv zum Tod des Dativs?“

„Wird der Genitiv zum Tod des Dativs?“

Wir erinnern uns sicher alle noch daran, wie Bastian Sick die deutsche Grammatikwelt mit seinem Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ in Aufruhr versetzte. Mittlerweile haben wir den größten Respekt vor dem Genitiv und möchten bloß nicht dessen Tod verschulden.

Haben wir den Genitiv jetzt jedoch auf einen so hohen Sockel gehoben, dass wir jetzt den Dativ vernachlässigen?

Keine Frage, der Genitiv klingt einfach gehobener, aber bestimmte Präpositionen schreien einfach nach dem Dativ. So sieht es beispielsweise bei „entsprechend“ und „gemäß“ aus. Hier wird gerne mal der Genitiv verwendet, auch wenn der Dativ die einzig richtige Version ist.

Ganz heimtückisch wird es dann bei „laut“ und „trotz“. Bei diesen Präpositionen kommt es darauf an, ob das folgende Hauptwort bekleidet oder unbekleidet ist. Bekleidete Hauptwörter verlangen den Genitiv (z. B. „trotz des Gerichtsbeschlusses“), während unbekleidete Hauptwörter den Dativ (z. B. „trotz Gerichtsbeschluss“) verlangen.

Aber woher weiß man, wann der Genitiv und wann der Dativ zu verwenden ist? Auf der verzweifelten Suche nach einer einfach zu merkenden Regel mussten wir Folgendes feststellen: Die einzige Regel ist, dass es keine Regel gibt. Die jeweiligen Kasus müssen einfach gelernt und verinnerlicht werden.

 

Herzliche Grüße

Julia Buller

Estándar

„Wie war das nochmal mit der indirekten Rede?“

„Wie war das nochmal mit der indirekten Rede?“

Der Konjunktiv I und sein Cousin, der Konjunktiv II, lassen viele bereits seit der Grundschule erschaudern. Dies gilt vor allem bei der Verwendung der indirekten Rede. Gemütliche Personen umgehen sie gern mit alltagssprachlichen Konsekutivsätzen, aber wir stellen uns der Herausforderung: Konjunktiv I vs. Konjunktiv II.

Fangen wir erst einmal klein an: Generell wird bei der indirekten Rede stets der Konjunktiv I verwendet.

Insa sagt: „Ich will Eis essen.“

Dieses Beispiel ist recht einfach. Hier muss eindeutig ein Konjunktiv I verwendet werden: Insa sagte, sie wolle Eis essen.

Doch wie sieht es mit dem folgenden Beispiel aus?

Die Schüler fragten: Wann fangen die Ferien an?

Verwendete man hier den Konjunktiv I, käme die indirekte Rede nicht zum Ausdruck. Also muss stattdessen der Konjunktiv II seine Arbeit verrichten:

Die Schüler fragten, wann die Ferien anfingen.

Aber Vorsicht: Der Konjunktiv II drückt nur dann reale Aussagen aus, wenn der Konjunktiv I nicht verwendet werden kann.

 

Liebe Grüße

Julia Buller

Estándar

„Die Sache mit der Apposition“

„Die Sache mit der Apposition, einem Attribut, das häufig für Verwirrung sorgt.

„Die Stadt Bonn liegt am Ufer des Rheins, eines der symbolträchtigsten Flüsse Europas.“

oder

„Die Stadt Bonn liegt am Ufer des Rheins, einer der symbolträchtigsten Flüsse Europas.“

oder vielleicht doch

„Die Stadt Bonn liegt am Ufer des Rheins, einem der symbolträchtigsten Flüsse Europas.“

 

Welche der oben genannten Versionen ist denn nun die richtige, oder gibt es mehrere Optionen, oder wurden gar alle drei Sätze grammatikalisch korrekt formuliert?

Konrad Duden würde sich nur am ersten Satz erfreuen und sich bei Satz zwei und drei wohl eher im Grab umdrehen. Denn die Regel zu Appositionen lautet wie folgt:

„Unter Apposition (Beisatz) versteht man ein substantivisches Attribut, das mit seinem Bezugsausdruck (Substantiv, Pronomen, Nominalgruppe) in der Regel in Hinsicht auf Genus, Numerus und Kasus kongruiert (Kongruenz).“

 

Achtung: Im Alltäglichen Sprachgebrauch wird die Apposition häufig in den Dativ gesetzt obwohl das Bezugswort in einem anderen Fall steht (siehe Satz Nummer 3). Selbst wenn dies in den Ohren vieler bereits normal klingt, ist es grammatikalisch nicht korrekt und sollte im geschriebenen Standarddeutsch vermieden werden.

Deshalb liegt die Stadt Bonn wohl am Ufer des Rheins, eines der symbolträchtigen Flüsse Europas.

 

Liebe Grüße

Eleonora Bertolini

Estándar

„Einstein hätt’s gewusst!“

„Einstein hätt’s gewusst!“

In Zeiten der zunehmenden Virtualisierung von Systemen braucht es ein Wort, um die virtuellen Maschinen von den greifbaren Rechnern abzugrenzen. Leider wird dafür allzu gern das Adjektiv „physikalisch“ verwendet. Dies ist jedoch falsch, denn „physikalisch“ bedeutet laut Duden „die Physik betreffend“. Richtig ist hingegen das Adjektiv „physisch“, was für „natürlich; körperlich“ steht. Es gibt demnach physische und virtuelle bzw. virtualisierte Server, aber keine physikalischen.

Die Verwechselung kommt wohl zustande, weil das englische Wort „physical“ sowohl „physisch“ als auch „physikalisch“ bedeuten kann. Wahrscheinlich verleitet „physical“ zu der Fehlübersetzung, weil es eher dem deutschen „physikalisch“ ähnelt. Dabei handelt es sich jedoch um einen falschen Freund.

Weniger Verwirrung stiftet da das Wort „physiologisch“, das sich auf die Physiologie, also auf die funktionellen Vorgänge in Organismen bezieht, weil es im Englischen nicht „physical“ sondern „physiological“ heißt. Zur Ausräumung jeglicher Zweifel wollten wir es dennoch einmal genannt haben.

 

Ich wünsche allen ein gutes Jahr 2015.

Alexandra Villeminey

Estándar

„Der Weg ist das Ziel“

„Der Weg ist das Ziel“

Bei vielen Texten müssen wir leider häufig feststellen, dass Übersetzer substantivierte Wörter, die auf Prozesse bzw. Ergebnisse hinweisen, gleichbedeutend verwenden. Dabei ist es vielmehr so, dass Substantive auf -ierung einen Vorgang und die Ableitungen auf -ation das Ergebnis beschreiben. Nur in wenigen Fällen sind beide gleichbedeutend. In anderen Fällen kann es sogar zu schweren Fehlübersetzungen führen, wie etwa in diesem Beispiel:

„Die Regulation von therapeutisch biologischen Präparaten und Biosimilars ist grundsätzlich komplexer als die von niedermolekularen und generischen Arzneimitteln.“

- Dieser Satz bedeutet, dass die gesetzlichen Vorgaben bezüglich biologischer Präparate komplexer sind als die generischer Arzneimittel.

„Die Regulierung von therapeutisch biologischen Präparaten und Biosimilars ist grundsätzlich komplexer als die von niedermolekularen und generischen Arzneimitteln.“

- Dieser Satz, welcher die richtige Übersetzung gewesen wäre, bedeutet, dass der Zulassungsprozess der biologischen Präparate komplexer ist als der für generische Arzneimittel.

Ein weiteres häufig vorkommendes Beispiel sind die Substantive Konfiguration und Konfigurierung. Da beide Wörter im Englischen „configuration“ bedeuten, bleibt dem Übersetzer nichts anderes übrig, als die richtige Übersetzung am Kontext festzumachen.

 

Herzliche Grüße

Alexandra Villeminey